Tipps & Tricks | von Marius am 06. Januar 2021

Der Winter ist da: Ein Härtetest für die E-Mobilität?

Immer mehr Haushalte steigen vom klassischen Verbrenner-Fahrzeug auf ein Elektroauto um oder denken über einen möglichen Wechsel nach. Steigende Reichweiten der Fahrzeuge sowie der stetige Ausbau der Ladeinfrastruktur machen einen Umstieg immer attraktiver und praktikabler. Der Winter stellt einige Fahrer von Elektroautos jedoch vor kleine Herausforderungen. Da sich Elektroautos anders als Verbrenner-Fahrzeuge verhalten, gilt es einiges zu beachten, um entspannt durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Wir erklären die Ursache und geben sechs Tipps für einen sorgenfreien Winter mit dem Elektroauto.

E-Mobilität

 

Erhöhter Strombedarf im Winter

Der Winter birgt einen Reichweitenverlust von rund 30 bis 50 Prozent gegenüber dem Sommer. Ein ausschlaggebender Grund für die verringerte Reichweite im Winter ist die vermehrte Nutzung der Heizung während der kalten Jahreszeit. Diese benötigt viel Energie, wodurch der Strombedarf steigt. Im Gegensatz zum klassischen Verbrenner-Fahrzeug wird beim Elektroauto nicht mit der Abwärme des Motors geheizt. Die effizienten Elektromotoren produzieren so gut wie keine überschüssige Abwärme, sodass zu Lasten der Reichweite Wärme mit einer elektronischen Heizung erzeugt wird. Hierzu zählen die Innenraumheizung, das Gebläse, die Sitzheizung, die Lenkradheizung, Vorder- und Rückscheibenheizung sowie die Außenspiegelheizung. 

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Physik als Übeltäter

Neben der Heizung des Innenraums müssen zusätzlich auch die Batterien/Akkus mithilfe einer Batterie-/Akkuheizung auf ausreichende Temperatur geheizt werden, da sie wie bei anderen Geräten (z.B. Handys) sehr temperaturempfindlich sind. In der kalten Jahreszeit kann oftmals nur ein Teil der Leistung abgerufen werden, da die optimale Batterieleistung bei Temperaturen zwischen 16 und 26 Grad Celsius liegt. Innerhalb der Batterien/Akkus sorgt der Ionen-Transport dafür, dass die Ladung die Elektrolytflüssigkeit zwischen Plus- und Minuspol passiert. Da diese bei kälterer Temperatur dickflüssiger wird, erschwert sich dieser Transport und die Spannung innerhalb der Batterien/Akkus fällt. Aufgrund dessen sinkt auch die Leistung. Um dem entgegenzuwirken und die angeforderte Leistung zu erbringen, muss die Stromstärke der Batterien/Akkus erhöht werden. Dies wiederum führt zu einer schnelleren Batterieentladung. Außerdem kann sich die Nachladezeit verlängern und die allgemeine Batteriekapazität sinken. Bei neuartigen Modellen der Elektroautos sind diese Auswirkungen jedoch geringer, da sie meist über ein geeignetes Wärmesystem verfügen.

Unsere nachfolgenden Tipps helfen Euch möglichst entspannt mit dem Elektroauto durch die kalte Jahreszeit. 

 

Sitz- und Lenkradheizung statt Innenraumheizung

Während der Fahrt sollte die Innenraumheizung eher niedrig eingestellt und stattdessen die Sitz- und Lenkradheizung genutzt werden. Deren Wirkung sind aufgrund der Körpernähe stärker gegeben und somit verbrauchen sie auch weniger Energie. Im Allgemeinen sind Sitz- und Lenkradheizung sparsamer im Energieverbrauch. Auch warme Kleidung kann helfen, um nicht so stark einheizen zu müssen. Eine sensiblere Heizungsnutzung verlängert somit die Fahrtzeit.

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Elektroauto vor Kälte schützen

Damit die Batterie und das Auto möglichst wenig auskühlen, eignet sich ein Garagenplatz. Alternativ empfiehlt es sich das Auto unterzustellen und/oder die Windschutzscheibe sowie die Seitenspiegel mit Planen oder Kartons zu bedecken.

 

Elektroauto bereits an der Ladesäule vorheizen

Es empfiehlt sich, das Auto vorheizen zu lassen, solange es noch an der Ladeeinrichtung angeschlossen ist. So kann die Heizenergie aus dem Stromnetz genommen werden und schont die Batterie.

 

Ladesteuerung mit geplanter Abfahrtszeit

Das Vorheizen am Stromnetz lässt sich bei einigen Fahrzeugen über die Fahrzeugeinstellung oder über eine Handy-App steuern. Somit kann aus der Ferne ein- oder ausgeschaltet werden. Durch die Funktionen „Geplante Abfahrtszeit“ oder „Vorklimatisierung“ kann sich dieser Prozess teilweise sogar automatisieren.

 

Sensiblere Fahrweise mit Hilfe des ECO-Modus

Da sich auch die Fahrweise und die damit verbundene Geschwindigkeit auf die Akkuleistung des Elektroautos auswirken, sollte eine gleichmäßige Fahrweise mit mäßiger Geschwindigkeit und Beschleunigung angestrebt werden. Hierbei hilft beispielsweise die Begrenzung des ECO-Modus. Mit Hilfe des ECO-Modus wird weniger Kraft auf die Räder übertragen, was sich wiederum positiv auf die Reichweite des Elektroautos auswirkt, da weniger Energie aufgebracht werden muss. Außerdem wirkt sich die geringere Kraft auch auf die allgemeine Sicherheit aus, da die Räder seltener bei glatten oder nassen Fahrbahnen durchdrehen und das Auto somit nicht ins Schleudern gerät. Der ECO-Modus kann damit für zusätzliche Sicherheit sorgen.

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Mit der richtigen Planung bedenkenlos durch den Winter

Unter Berücksichtigung der oben genannten Tipps kannst Du die bestmögliche Reichweite aus Deinem Elektroauto herausholen und musst keine Komfortverluste eingehen. Damit jedoch kein Weg zu einer riskanten Fahrt wird, empfiehlt es sich, die Route bereits im Vorfeld einmal durchzuplanen. Hierzu sollte eine Reichweitenreserve für mögliche Umleitungen oder Staus einberechnet werden. Zusätzlich ist zu prüfen, ob und in welcher Form Ladeeinrichtungen auf der Strecke vorhanden sind. Somit kann im Notfall auch zwischengeladen bzw. können Zwischenstopps optimal als Nachlademöglichkeit genutzt werden.

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Last but not least sollte Reichweite niemals über Sicherheit gestellt werden. Vereiste Scheiben sind immer freizukratzen oder zur Not mit der Windschutz- und Rückscheibenheizung aufzutauen. Ebenfalls sollte das Licht, obwohl es viel Energie verbraucht, immer angestellt werden, um bei der Dunkelheit von den anderen Verkehrsteilnehmern erkannt zu werden.

 

Neue Entwicklungen

Um die Reichweite der Elektroautos weiter zu erhöhen, entwickeln derzeit viele Firmen neuartige Lösungen. So haben sich beispielsweise auch die beiden deutschen Unternehmen IAV und Louisenthal zusammengetan und das sogenannte SmartMesh entwickelt. Bei SmartMesh handelt es sich um eine Folie, welche sich in Türen, Mittelkonsole und Dachhimmel integrieren lässt. Das besondere an der Folie ist die Oberfläche, welche aus einem Netz aus Leiterbahnen besteht und eine weitere Heizmöglichkeit bietet. Die Folien können neben der serienmäßigen Heizung des Elektroautos genutzt werden und innerhalb kürzester Zeit das Fahrzeug aufheizen. Laut Tests benötigen die Heizfolien bis zu 20 Prozent weniger Energie, wodurch die Reichweite des Autos um bis zu sechs Prozent erhöht werden kann.
 

 

Marius

Marius studiert Business Management an der Hochschule Osnabrück. Seine übrige Energie investiert er in das Tagesgeschäft unseres Unternehmens. Als Werkstudent unterstützt er den Bereich Erdgas & Strom.